Verein und seine Mitglieder in der Presse

Klattauer Zeitung

 

Mittwoch, den 27. Mai 2009


Bluesmen aus Prag und München
 trafen sich auf dem halben Weg

" Die 1. bayerisch-böhmische Bluesnacht hat unsere Erwartungen voll übertroffen. Es war ein voller Erfolg, die Atmosphäre absolut hervorragend das haben uns auch die Stars des Abends versichert", sagt Robert Wöller

Zwiesel. Die erste bayerisch-böhmische Bluesnacht war ein absoluter "Hammer". Das internationale musikalische Projekt "Musik über Grenzen" brachte am Freitag, den 15. Mai 2009 zwei Bluesgrößen nach Zwiesel. Es waren der phänomenale Mundharmonika-Virtuose Hubert Hofherr aus München und der weltbeste Bluesgitarrist Luboš Andršt aus Prag, die hier mit ihren Bands bei einem Doppelkonzert aufgetreten sind; ja noch mehr, sie brachten das begeisterte Publikum wortwörtlich zum Kochen. Die "Klattauer Woche" war selbstverständlich auch dabei.
Die 1. Bayerisch-böhmische Bluesnacht, organisiert von Ivan Falta, unterstützt von den Mitgliedern des Kulturvereins Über d’ Grenz aus Zwiesel ist ein Teil des langfristigen Projekts „Musik über Grenzen“, das auch federführend von Ivan Falta begleitet wird.
Die musikalische Bluesnacht war eine einzigartige
Veranstaltung mit Spitzenmusikern, zu der an die zweihundert Besucher von beiden Seiten der Grenze sich getroffen hatten. Der Saal im Dachboden des Alten Mädchenschulhauses war bis zum letzten Platz gefüllt. Fast fünf Stunden dauerte die Veranstaltung, die kurz nach achtzehn Uhr begann und eine Stunde vor Mitternacht zu Ende ging. Emil Kronschnabl, der Vorsitzende des Kulturvereins Über d‘ Grenz, eröffnete die Bluesnacht, begrüßte die Bluesstars auf das Herzlichste und wünschte dem Publikum aus beiden Ländern viel Vergnügen und einmalige musikalische Erlebnisse.

Im ersten Teil des Abends trat Hubert Hofherr mit seiner Band „the Bottom Line“ auf. Der phänomenale Mundharmonika-Spieler, in Zwiesel geboren, der später seine internationale Kariere in den USA antrat, ist durch und durch ein Musiker mit Geist und Seele. Der Begriff „Mundharmonika Power Chicago Style“ beschreibt den persönlichen Stil des exzellenten Musikers, der durch große Virtuosität und dem kräftigen erdigen Sound von Chicago-Bluesharp unterstützt wird. Mit seinen temperamentvollen Solis, die die unbändige Freude am Spiel zeigen und im oft atemberaubenden Wechsel mit seiner ausdrucksvollen Stimme zum Einsatz kommen, gelang es Hubert Hofherr bereits mit dem ersten Stück das Publikum so zu begeistern, dass als Dank ein lang anhaltender stürmischer Applaus einsetzte.

Bei dem zweiten Teil des Abends stellte sich ein Gitarrist per excelance vor: Luboš Andršt, der durch seinen einzigartigen aggressiven Sound das Publikum gewaltig anheizte und den Dachbodensaal wortwörtlich in einen Hexenkessel verwandelte. Luboš Andršt besitzt als Musiker eine große Erfahrung aus den USA. Im Jahre 1998 war Andršt ein „Specialguest“ des "Bluesking" B.B. King bei seinem Konzert in Prag, der über ihn damals sagte: Luboš Andršt ist der beste lebende Gitarrist auf der Welt!
Mit der Gruppe Luboš Andršt Blues Band in Besetzung mit Bassgitarrist Zdeněk Tichota, Schlagzeug Pavel Razim, Keybord und Gesang Jan Holeček, konnten die Zuhörer eine weitere zweistündige einmalige Musik genießen. Diese Band kehrte erst vor vier Wochen aus Hongkong zurück, wo sie die EU bei der Präsentation der Europäischen Kultur vertrat. Gleich danach wurde der Band die Ehre zuteil, auf dem Hradschin-Platz bei der Ankunft des amerikanischen Präsidenten Barack Obama in Prag zu spielen.
Zum Abschluss der Bluesnacht in Zwiesel belohnte das begeisterte Publikum beide Akteure mit einem minutenlang anhaltenden Stehapplaus. Die Klattauer Woche stellte Fragen an Musiker Robert Wöller, der als Hauptveranstalter die Auswahl der Musikgruppe getroffen hatte und als alleiniger Tontechniker im Einsatz war.

Frage der Klattauer Woche: Herr Wöller, Sie sind ein ausgezeichneter Gitarrist, in dem Verein Über d‘ Grenz wirken Sie als Experte für die moderne Musikszene. Wie bewerten Sie die 1. bayerisch-böhmische Bluesnacht?

Robert Wöller: Mit Freude kann ich sagen, dass wir glücklich sind, dieses einmalige Musikevent mit solch Spitzenmusikern aus beiden Ländern in unserer Stadt veranstalten zu können. Wir sind sehr zufrieden, die Veranstaltung hat unsere Erwartungen voll und ganz übertroffen. Es war eine mehrfache Premiere, da wir einmal nicht wussten, wie die Veranstaltung vom Publikum aufgenommen wird, wie viele Leute überhaupt kommen. Und was das Wetter anbelangt - die Veranstaltung sollte im Freien stattfinden - der Dachboden der Alten Mädchenschule erwies sich als hervorragender Ersatz, das Ambiente stimmt. Sie sehen, ein absoluter Erfolg, zahlreiches Publikum und viele tschechische Besucher.

Klattauer Woche: Und die Atmosphäre?

Robert Wöller: Absolut großartig ... das haben uns auch die Stars des heutigen Abends Luboš Andršt und sein bayerisches Pendant Hubert Hofherr versichert. Es kamen Leute aus dem Publikum mit positiver Resonanz auf uns zu, die Interpreten und auch die Kulturschaffenden, allesamt ganz begeistert. Ein Bekannter sagte spontan: "Wisst ihr, wo sich die Bluesmen aus Prag und München treffen? Auf dem halben Weg, hier in Zwiesel!"

Klattauer Woche: Wie lange wurde diese Nacht vorbereitet und wie haben Sie die Interpreten ausgesucht?

Robert Wöller: Die Veranstaltung haben wir im Rahmen unseres bayerisch-tschechischen Projekts "Musik über Grenzen" geplant, das die Agentur Czechpoint Bayern, der bayerische Kulturverein Über d‘ Grenz, der tschechische Verein Herzinia aus Schüttenhofen (Sušice) ausrichtet und diesmal beteiligte sich auch der Verein "Šumavská renesance" (Renaissance des Böhmerwaldes) mit dem Sitz in Bergreichenstein (Kašperské Hory). Als ich mit Ivan Falta im Januar mögliche Veranstaltungen für das erste Halbjahr diskutierte, schlug ich vor, die Bluesnacht zu veranstalten. Ivan Falta war begeistert, als ich eine konkrete „Spitzeninterpreten-Besatzung“ von beiden Seiten der Grenze vorschlug, die zueinander auch sehr gut passen würden. Daraufhin sprachen wir die Leader beider Bands an. Nachdem wir ihnen geschildert haben, worum es sich handelt, haben sie sofort zugesagt.

Klattauer Woche: Verraten Sie uns, was für den Veranstalter des internationalen Musikevents die härteste Nuss war, die es zu knacken galt?

Robert Wöller: Das größte Problem für uns als Veranstalter war, dem Wind und Regen zu befehlen: „nicht heute Nacht“ (wie eine altkommunistische Parole besagt), denn wir hatten uns gewünscht, die Veranstaltung im Freien abzuhalten. Es ist nicht gelungen, die Natur hört nicht auf Befehle. Und so fand die Aktion hier im großen Saal auf dem Dachboden der Alten Mädchenschule statt. Die Räumlichkeiten dieses Gebäudes wurden umfangreich renoviert und vor zwei Jahren hatte die großartige Landesausstellung "Bayern-Böhmen, 1500 Jahre Nachbarschaft" stattgefunden. Wie schon gesagt, der Dachboden war das richtige Ambiente.

Klattauer Woche: Sowohl das bayerische als auch das tschechische Publikum ging mit einem Gefühl auseinander, dass dort, wo die Musik spricht, Wörter bereits überflüssig sind. Können wir uns für das nächste Jahr auf eine zweite bayerisch-böhmischen Bluesnacht freuen?

Robert Wöller: Dank dem Erfolg und einem so großen positiven Echo auf die heutige Veranstaltung war es mehr als nur vorausschauend, dass wir dieser Veranstaltung das Numero eins zugeordnet haben. Denn nun ist es ganz klar, dass es Fortsetzungen geben wird. Ob wir bei dem Spezifikum "blues" bleiben, würde ich noch offen lassen, obwohl, ich denke schon. Man sprach bereits über das Fortsetzen auf der tschechischen Seite und den weiteren Fortsetzungen. Auch die heutigen Auftretenden sagten eine erneute Teilnahme zu. Ganz gewiss eignet sich Musik jeglicher Richtung sehr gut, als Verständigungsmittel zwischen unseren Völkern zu dienen. Wie gut das funktioniert, kann man heute sehen.

Klattauer Woche: Ich danke Ihnen für das Gespräch.

Hana Sádlíková
der ganze Bericht als JPG-Datei

 

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