Verein und seine Mitglieder in der
Presse

Českobudějovický deník

Mittwoch, den 31. März 2010


Zur Veranstaltung am Grenzbahnhof kamen tausende von Leuten

České Budějovice - Eine Rubrik der Budweiser Tageszeitung hat sich ihren Namen aus der Sportwelt geliehen. Jede Woche reichen sich ihre Teilnehmer auf den Seiten der Zeitung, ähnlich wie Athleten den Staffelstab, die Fragen weiter. Nun befragte Frau Jana Pulcová aus Hluboká nad Vltavou Ivan Falta, der in Zwiesel den bayerisch-böhmischen Kulturverein Über d´ Grenz mitleitet.

Seit wann gibt es ihren bayerisch-böhmischen Kulturverein Über d´ Grenz schon und wie sind sie auf die Idee gekommen, ihn zu gründen?
Im Jahr 2007 gab es in Zwiesel die große Landesausstellung „Bayern-Böhmen - 1500 Jahre Nachbarschaft“. Der Erfolg war enorm (beinahe 90.000 Besucher) und was vielleicht noch wichtiger war: Als ´Nebenwirkung´ hat sich eine ermutigende Belebungskultur der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Tschechen und Deutschen in unserer Grenzregion eingestellt. Bayerische Einheimische kamen zu mir, die sich gewünscht haben, dass die durch die Landesausstellung geweckte Stimmung nach ihrem Ende nicht wieder verschwindet. Deswegen haben wir miteinander den bayerisch-böhmischen Kulturverein gegründet.


Ivan Falta ist der Mitgründer des Vereins, das im bayerischen Zwiesel
die Kontakte der Bevölkerung von beiden Seiten der Böhmerwaldgrenze fördert. Foto: Deník

Was ist das Vereinsziel?
Der bayerisch-böhmische Kulturraum des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes war seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Die Zeiten der gegenseitigen Entfremdung liegen mehr als 60 Jahre zurück. Bei der bereits erwähnten Landesausstellung, etwa 17 Jahre nach dem Fall des eisernen Vorhanges, haben wir uns gesagt, dass es nun gilt, beiderseits negative Vorurteile abzubauen und gute nachbarschaftliche Beziehungen zu schaffen. Unser Ziel ist dabei der Kulturaustausch zwischen Bayern und Böhmen. Wir führen gemeinschaftlich kulturell ausgerichtete Projekte durch, wie Konzerte, Musikevents und Ausstellungen, für bayerische Leute veranstalten wir einen Tschechischsprachkurs, wir unternehmen mit ihnen Kulturfahrten nach Tschechien. Wir laden tschechische Musiker, Künstler und Publikum nach Bayern ein. Durch diese Aktionen erhoffen wir uns auch einen Anstieg des gegenseitigen Verständnisses für die unterschiedliche Lebensweise und die Wiederbelebung der Traditionen und Bräuche in unserer Region.

Hilft ihnen jemand dabei?
Alles beruht auf freiwilliger und gemeinnütziger Arbeit von Mitbürgern. Wir finden vielseitiges Verständnis und Unterstützung für unsere Aufklärungsarbeit bei den verschiedenen Bevölkerungsschichten sowie einer Reihe von Einrichtungen. Wir werden sowohl von einfachen Leuten, als auch von Künstlern, Musikern unterstützt. Bei den anspruchsvolleren Projekten werden wir manchmal von dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond finanziell bezuschusst.

Außer den Aktivitäten in dem bayerisch-böhmischen Kulturverein betreiben Sie auf der deutschen Seite die Agentur czechpoint Bayern. Wie ist es in Bayern unternehmerisch tätig zu sein?
Es ist sehr Interessant und es bereitet mir viel Spaß. Darüber hinaus gelingt es auch, durch die Firmentätigkeit eine Reihe von Aktivitäten aus dem Bereich Kultur auch auf dieser Weise zu unterstützen und die Tätigkeiten des Kulturvereins zu ergänzen.

Wie habe es die Bayern aufgenommen? Wissen die Einwohner von Zwiesel viel darüber?
Die Anfänge sind überall schwer. Ein wenig anfängliche Skepsis und gewisse Vorurteile gab es sicherlich. Und zwar von beiden Seiten. Nichtsdestotrotz muss ich sagen, dass ich mich hier schon längst wie zuhause fühle. Nach ein paar Jahren meiner Tätigkeit kennen mich natürlich die hiesigen Leute und akzeptieren mich voll, ich bin für sie kein unbeschriebenes Blatt mehr. Es ist erstaunlich, wie tief und weit verzweigt die gemeinsamen Wurzeln der Tschechen und die Bayern sind und wie sehr sich die Mentalität unserer beiden Nationen ähnelt, obwohl es vielleicht auf den ersten Blick nicht so scheint. Das größte Hindernis im gegenseitigen Kennenlernen ist wohl die Sprachbarriere, aber auch hier kann Einiges unternommen werden, um sie abzubauen. Auf jeden Fall haben wir sämtliche Voraussetzungen dafür, nebeneinander friedlich zu leben und sehr gut miteinander auszukommen.

Welche Vereinsveranstaltung ist ihnen am meisten gelungen?
Bei einem Rückblick ist es wirklich sehr schwierig zu bestimmen, welche Veranstaltung am meisten gelungen ist. Dazu kommt noch, dass wir Projekte von ganz unterschiedlicher Art durchführen. Zu den Erfolgreichsten gehört jedoch unsere bayerisch-böhmische Krippenausstellung, die wir in Zusammenarbeit mit den südböhmischen Krippenbauern und dem Museum in Neuhaus (Jindřichův Hradec) veranstaltet haben. Wegen dem Erfolg der Ausstellung, die wir 2007 in Zwiesel veranstaltet haben, wollen wir sie dieses Jahr wiederholen und hoffen dabei erneut auf Hilfe von den Machern aus der Region Südböhmens. Zu den medial erfolgreichsten Veranstaltungen gehört unser lockerer Sprachkurs „Tschechisch im Wirtshaus“ für den bayerischen Mitbürger. Eine hervorragende Kooperation haben wir zum Beispiel im September vergangenen Jahres mit dem Eisensteiner Club (Železnorudský klub) gehabt, als wir zusammen einen bayerisch-böhmischen Sonntag auf dem Gelände vor dem Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein - Alžbětín veranstaltet haben. Damals kamen an die dreieinhalbtausend Leute.

Wie schätzen Sie die Zukunft des Projekts ein?
Wir entwickeln eine ganze Reihe von weiteren Plänen, gerne würden wir auch die Aktivitäten Richtung Südböhmen erweitern. Mit dieser Region fühle ich mich auch herzliche persönliche verbunden und es würde mich besonders freuen, wenn uns von dort jemand ansprechen würde.

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